BIO von PIO MARS

Das Leben – ein wohlgeordnetes Ornament

 

Pio Mars liebt die Fülle. Viele Bilder der Welt für seine Neuordnung der Welt. Aus ausschließlich selbst fotografierten Vorlagen komponiert er rätselhaft-kompakte Mischwesen oder entwirft breit angelegte und großformatige Panoramen. Dafür bringt er, technisch leichthändig erscheinend, Motive aus den unterschiedlichsten Lebensbereichen in neue Zusammenhänge. Dort schwingen sie sich in den feinen Rhythmus verwegener Nachbarschaften ein. 

 

Vor dem zweieinhalb Meter hohen und vier Meter breiten hinterleuchteten Großformat „Chromosom City“ (sic), dem ersten der gleichnamigen Serie, werden Mars´ unverbrauchte Entdeckerfreude und seine Kombinationslust greifbar. Von der regnenden Kunstwolke zum neobarocken Orgelprospekt, vorbei an historischen Hauseingängen, Plastikeis in der Waffel, geschmiedeten Kunstwerken, geschrumpften Bankneubauten oder Riesenerdbeeren: die ursprünglichen Größenverhältnisse sind außer Kraft gesetzt, statische Gesetze aufgehoben, Wiederholungen erlaubt. Ein farben- und formenreiches motivisches Netz bietet Raum zum absichtslosen Schlendern auf immer neuen optischen Pfaden. Als artist-in-residence hat Pio Mars 2018 fotografierend die Stadt Kempten untersucht und sie sich mittels digitaler Collage anverwandelt.

 

Wie am Reißbrett arrangiert der gelernte Bauzeichner auch in seinen „mars machines“ Maschinenteile, feinmechanische Details, Planausschnitte, Architektur- und Körperfragmente. Obwohl die Elemente benennbar bleiben, entstehen ästhetische Flechtwerke, die sich wie abstrakte Ornamente vom schwarzen Grund abheben.

Als sei es ihm das Sicherste, die ohnehin brüchige Welt vollends zu zerlegen, um ihr im eigenen digitalen Setzkasten neue Begehbarkeit und sicheren Halt zu verschaffen, ist Mars an der permanenten Neu-Ordnung. Und es scheint, als ergebe sich für ihn erst durch die Vielzahl der Einzelbilder der richtige Gesamtklang.

 

Pio Mars hat eine lange inwendige Wanderung aus den Karpaten im polnischen Südosten über das Rheinland ins Allgäu zurückgelegt und unter anderem die Endungen seines Vor- und Nachnamens unterwegs einfach weggelassen. Auch sein zweiter Vorname, `Arkadiusz´, der aus Arkadien Stammende, blitzt nur noch untergründig in den fremd vertrauten Sehnsuchtsorten seiner Kompositionen auf. 

Mars´ Vita ist nicht mit wenigen kunstbekannten Stationen fassbar. Über eine intensive musikalische Prägung in der Kindheit zu einer Bauzeichner-Lehre, über die folgende wenig abgesicherte Frühphase in Deutschland in den 1990er Jahren und die erste gute Kamera zu einer Zuarbeit in einem Kölner Architekturbüro gestaltete sich der Weg manchmal mühsam, visionslos nie. Die erworbenen digitalen Kenntnisse und eine lehrreiche Mitarbeit bei einem 3D Fotografen verschafften ihm die kenntnise und Erfahrung für seinen Sprung in die Selbständigkeit. Mars zog ins Allgäu um und machte sich auf den Weg, die Welt mit seinen bildnerischen Ideen so umzuformen, wie er sie „gerne zeigen und sehen möchte“.

 

Seine künstlerische Arbeit tritt nicht bescheiden auf. In zum Teil sehr großem Format, technischer Perfektion und eigener Bildsprache verführen seine lustvollen Eigenwelten zum vergnüglichen Staunen. 

Birgit Höppl M.A.

BERLIN

© 2019 by Pio Mars